07.07.2026 – Vorsorge mit Wirkung.


Vorsorge mit Wirkung. Datenanalyse für effektive Präventionsprogramme.

Mit den SVS-Gipfelgesprächen über den Dächern Wiens hat die SVS ein Format etabliert, das den Dialog über zentrale Fragen sozialer Sicherheit stärkt und vertieft. Bei der vierten Ausgabe zum Thema „Vorsorge mit Wirkung. Datenanalyse für effektive Präventionsprogramme.“ diskutierten Experten aus Sozialversicherung und Wissenschaft über datenbasierte Ansätze zur Prävention, Erfahrungen mit Bonusprogrammen in Deutschland und die Ergebnisse aus der SVS-Gesundheitsaktion „Gemeinsam gegen Krebs.“.

Gesund zu bleiben ist längst nicht mehr nur Privatsache, sondern zunehmend eine gesundheitspolitische und wirtschaftliche Frage. Mehr als die Hälfte der chronischen Erkrankungen ist lebensstilbedingt und ließe sich bei rechtzeitiger Früherkennung vermeiden oder zumindest lindern. Genau hier setzt die SVS mit verschiedensten Präventionsangeboten an und widmete das vierte SVS-Gipfelgespräch am Dienstag, 7. Juli 2026 dem Thema „Vorsorge mit Wirkung. Datenanalyse für effektive Präventionsprogramme“.

Von der Reparatur zur Prävention

Für Peter Lehner ist der Umbau des Gesundheitssystems eine politische Notwendigkeit. Explodierende Kosten dürfe man nicht achselzuckend hinnehmen, sondern müsse die entscheidenden Veränderungen aktiv angehen. Vorsorge habe dabei viele Dimensionen, vom gesunden Lebensstil über Impfungen und regelmäßige Zahnarztbesuche bis hin zu Untersuchungen wie einer Koloskopie, und bedeute vor allem Eigenverantwortung und Eigeninitiative. 

„Die SVS hat hinsichtlich Vorsorge ein riesengroßes Angebot, denn wir wollen es schaffen, vom Reparaturträger zum Präventionsträger zu werden. Wir wollen unsere Versicherten also motivieren, rechtzeitig in Vorsorge zu investieren beziehungsweise vorsorgliche Maßnahmen zu absolvieren, und damit etwas für ihre Gesundheit zu tun. Denn die eigene Gesundheit wirkt sich auf das eigene Unternehmen und den Betrieb aus“, umriss Lehner. 

Daten als Grundlage für Innovationen

Wie sich der Nutzen solcher Maßnahmen überhaupt belegen lässt, erläuterte Nikolas Popper, Senior Scientist der Data Science Research Unit an der TU Wien, in seinem Vortrag „Evidenzbasierte Simulation: Datengetriebene Ansätze für Vorsorge und Prävention“. Zur Rolle von Daten in einem innovativen Gesundheitssystem für Vorsorge und Prävention hielt er fest: „Es gibt viele gute Ideen, wie ein Gesundheitssystem in 20 Jahren aussehen kann. Damit wir aber bewerten können, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Vorschläge haben, und uns nicht in Endlosdiskussionen verlieren, brauchen wir Daten. Dabei geht es nicht zwingend um personenbezogene Daten – genau das ist oft das Missverständnis. Daten können zusammengeführt und aggregiert werden. Auf dieser Basis lässt sich evidenzbasiert zeigen, welche Effekte Innovationen tatsächlich haben. Und genau dazu wollen wir im Gesundheitssystem einen Beitrag leisten.“ 

Ein Blick über die Grenze

Den Vergleich mit dem deutschen System steuerte Ulrike Pernack, Vizepräsidentin des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek) mit ihrem Vortrag „Blick über die Grenze: Smarte Prävention durch Bonusprogramme in Deutschland“ bei. Sie stellte vor, wie die deutschen Kassen ihre Bonusprogramme ausgestalten, und sah beim Thema Prävention Potenzial auf beiden Seiten. „Wir haben in Deutschland aufgrund der Vielfalt der gesetzlichen Krankenkassen einen Wettbewerb zwischen den Krankenkassen, was sich natürlich auch auf die Vielfalt der Maßnahmen und die Inhalte der Bonusprogramme auswirkt. Und ich denke, an dieser Stelle kann Österreich von Deutschland lernen – und wir in Deutschland wiederum von dem System in Österreich“, so Pernack. 

Vorsorge als Schlüssel

„Bilanz zu ‚Gemeinsam gegen Krebs.‘ – neue Wege in der Vorsorge“ – unter diesem Titel präsentierten Alexander Biach, Generaldirektor der SVS, und Michael Müller, Direktor für den Geschäftsbereich Leistung & Prävention in der SVS, mit Unterstützung der Kolleginnen Jelena Radovanovic und Maria Kremser unter anderem die Ergebnisse der SVS-Gesundheitsaktion 2025. 

„Mit unseren Vorsorgeprogrammen bringen wir nicht nur mehr Menschen zu Untersuchungen, sondern können tausende von ihnen (hoffentlich) auch rechtzeitig behandeln. Das haben die Ergebnisse unseres Krebs-Vorsorgeprogramms ‚Gemeinsam gegen Krebs.' gezeigt, mit welchem wir 300.000 Versicherte zu einer oder mehreren Untersuchungen bewegen konnten. Bei über 36.000 gab es durch die Koloskopien, Mammographien, Gebärmutter-, Haut- und Prostatauntersuchungen Entdeckungen, die auch umgehend entfernt bzw. behandelt werden konnten“, hielt Biach fest.  

Von der Initiative zum Programm

Im Rahmen des Vortrags wurde auch der SVS-Vorsorgepass, das neue Präventionsprogramm der SVS mit Anreizsystem, vorgestellt. „Im Vorsorgepass integrieren wir alle Nudging-Maßnahmen, die wir bereits in den Vorjahren ausprobiert haben und bei denen wir wissen, dass sie wirken und wir die Menschen erreichen“, erklärt Müller. 

Für Lehner bestätigte die Tagung den eingeschlagenen Kurs der SVS. Eine vorausschauende Gesundheitspolitik sei die Grundlage für ein leistungsfähiges und langfristig finanzierbares System, und die dafür nötige wissenschaftliche Evidenz habe der Nachmittag geliefert.

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Fotos: © Christian Mikes

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